:: Mein Name ist Bond - Allan Bond

Mein Name ist Bond - Allan Bond

Kürzlich kämpften noch  im spanischen Valencia Hightech-Segler um den legendären Americas Cup - aber warum in Valencia?

Kein Schweizer - selbst der Kühnste unter ihnen - würde je in seinem abenteuerlichsten Alptraum zu träumen wagen, dass eines Tages sein Matterhorn über ihm zusammenbrechen könnte und ihn unerwartet ein Meer umtost - ein Traum, der schlichtweg unantastbare Hoheitszonen artgenössischen Gemüts in Frage stellt. 

Dass dennoch gewagte Schweizer gewagte Träume zu träumen wag(t)en, bewies der Americas Cup, der immer im Land des vorherigen Siegers ausgetragen wird. Und da Schweizer den größten Seglernationen davon segelten, brauchten sie ein Meer. Was macht der Schweizer also: er klettert auf sein Matterhorn und entdeckt das nahegelegene Valencia.

Zu guter Schluss noch ein Happyend: Die Schweiz Crew gewann nochmals gegen den Herausforderer Neuseeland. Ergo darf es sich nochmals ein Meer aus der Ferne aussuchen.

Was aber kaum jemand weiss, dass seit der ersten, 1851 in England ausgetragenen Segelregatta 132 Jahre lang alle anschließenden Rennen ausschließlich in Amerika ausgetragen wurden, bis Westaustralien Mut zeigte und die amerikanische Nation erschreckte.

Image 1 Eine knappe Stunde fährt man mit dem Boot vom Stadtzentrum von Perth bis nach Fremantle. Hier laufen die Wellen des Indischen Ozeans an den Strand, brechen sich über feinem Sand.

Lange war Fremantle eher als Schmuddelecke von Perth verrufen und nur abbröckelnder Putz der im viktorianischen Stil erbauten Häuser erinnerte an vergangene, bessere Zeiten.

Aus seinem Dornröschenschlaf wurde der Küstenort Anfang der 1983 gerissen, als ein wildes westaustralisches Seglerteam wagte, dem Rest der Welt den Wind aus den Segeln zu nehmen. Teamchef der Crew war ein gewisser Bond - nicht der legendäre 007 - sondern nur ein bis dato eher unbedeutender australischer Allan Bond.

Mr. Bond verdiente sein Geld mit Grundstücksgeschäften, mit Ölförderung, Medien und vielem mehr. Viel Geld - sehr viel Geld. Einen Teil davon investierte er in eine Segelyacht namens "Australia II" und in schlagkräftige - besser gesagt - segelerfahrene australische Jungs.

Aber ein bisschen british war er schon und forderte die Grand Nation Amerika auf, sich mit ihm zu messen - wie seinerzeit 1851.

Ein kleine Rückblick:
Image 2 Anlässlich der Londoner "Prince Albert's Great Exhibition" - ein Vergleich mit einer heutigen Düsseldorfer Bootsmesse wäre eher unangepasst - forderten die Aussteller ihre segelgewandt-abtrünnigen Amerikaner zu einem Rennen auf. Der "New York Yacht Club" nahm die Herausforderung an und ließ - sage und schreibe - einen Zweimastschoner bauen, getauft auf "America" und gewann am 22. August 1851 vor der britischen Isle of Wight gegen 15 britische Konkurrenten des "Royal Yacht Squadron" das Rennen. Als Siegerin dieser Regatta wurde die "America" zur Namensgeberin des America's Cup. Den Pokal erhielt der New York Yacht Club mit der Auflage, ihn an herausfordernde Sieger weiterreichen zu müssen. Jahr für Jahr - seit seinem ersten, 1851 in England errungenen Match - trotzte der Club 132 Jahre lang allen Herausforderungen mit amerikanischer Überheblichkeit, verschraubte sogar den Pokal fest  im Clubhaus
- bis Westaustralien kam.

Und 1983 zeigten die Westaustralier vor der Küste New Yorks, wie der Wind nicht nur in Westaustralien weht: Nach sechs Rennen stand es zwar noch unentschieden: Amerika gegen das kleine - aber große Westaustralien. Aber dann das schier Unfassbare: Im entscheidenden siebten Rennen nahm John Bertrand am Steuer von Alan Bonds "Australia II" den Amerikanern 41 Sekunden ab und den Westaustraliern gelang, was 132 Jahre lang ohne Erfolg versucht wurde: Sie hatten erstmals die begehrte Trophäe des New York Yacht Clubs, den America´s Cup den USA entrissen und die snobistische New Yorker Yacht Club Gesellschaft musste "ihre" Kanne ohne Boden wieder abschrauben.
Image 3 Australien stand Kopf: Die Outbacks down under hatten allen anderen demonstriert, wer die besten Segler sind! Ihr Sieg war einer der größten Erfolge in der australischen Seglergeschichte!

Doch damit standen die Gewinner auch in der Verantwortung, das darauffolgende "Americas-Cup"-Rennen im eigenen Land auszurichten zu müssen. Perth kam nicht in Frage, da es zu weit vom Meer entfernt liegt - aber "Freo", wie die Einheimischen ihr Einod nennen, war als Küstenort ideal und so wurde mit enormem Investment Fremantle als Hochsee-Yachthafen herausgeputzt. Als drei Jahre später Dennis Connor, der Verlierer und neuer Herausforderer mit seiner neuen Yacht von Hawaii kommend in das Hafenstädtchen einfuhr, war Freo kaum wiederzuerkennen.

Frisch aus dem Boden gestampft reihten sich eleganteste Yachtclubs teilnehmender Länder aneinander. Unter Wasser ließ Mr. Bond grüßen, der das Hafenbecken von Tauchern abgeschirmen ließ, um zu verhindern, dass Unterwasserkiele der Kontrahenten erspäht werden konnten. Über Wasser grüßte Fremantle mit einem neuerwachten Gesicht und nicht bröckelnden Fassaden.

Image 4 Davon profitieren auch heute noch Besucher. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee steigt einem beim Bummel über den Cappucino Strip in die Nase. Er verdankt seinen Namen - leicht zu erraten - den vielen Kneipen und Cafés, die sich hier angesiedelt haben. Schauen und beschauen ist das Motto der Erfrischungssuchenden, die hier Kaffee schlürfend oder Eis schleckend unterwegs sind.

Apropos Mr. Allan Bond: Seinen einst legendären Ruf verdarb er sich anschließend leider mit zwielichtigen Geschäften, die ihn zwischenzeitlich sogar in´s Gefängnis brachten, heute fernab in London lebt und den man "hier nicht mehr sehen will", wie kürzlich sogar eine Pertherin meinte.

Infos: www.westaustralia.com

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