:: Wein, Weib & Gesang - nicht nur XXL

Wein, Weib & Gesang - nicht nur XXL

Hip, hipper am hippesten: Margret River
Riesige Bäume, riesige Dünen, riesige Wogen. Die Gegend um Margaret River im Südwesten Westaustraliens geizt wahrlich nicht mit Superlativen. Und weil der Westaustralier stolz ist auf das, was sein Land bietet, lässt er auch die zweitgrößte Flagge des Landes über seinen Sauvignon-Trauben wehen.

Image 2 An unzähligen Winzerhöfen vorbei führt eine schmale Straße zu einem, vom Duft der Eukalyptusbäume durchzogenen Ort, der gleichzeitig das Zentrum der bei Touristen äußerst beliebten Südwestregion von Western Australia ist: Margaret River.

Ein laues Lüftchen weht früh morgens durch die "Main Street" von Margret River. "Margaret River ist hip", meint Peter. Muss er natürlich sagen, denn schließlich ist es sein Job als Leiter des örtlichen Touristamts für seinen Ort zu werben. Aber lügen, nein, das ist nicht seine Art - wirklich nicht - warum auch? Aber verdammt noch mal, was ist hier hip? Vielleicht, weil das Örtchen mit fast einer einzigen Straße, einer Tankstelle und ein paar kleinen Shops auskommt - oder die vier Kneipen, in denen man sein Bier am besten in einem Zug leert, weil es sonst schon die Außentemperatur angenommen hat? Weit gefehlt. Die wenigen aber umso urtümlicheren Restaurants sind noch geschlossen. Ein Blick auf deren Speisekarte könnte nur bestätigen, dass Rinderweiden und Meer nicht weit entfernt liegen, die Weinkarte würde aber verraten, warum Margret River hip ist, denn gastiert man in Margret River, gastiert man gleichzeitig inmitten einer der bekanntesten australischen Weinbaugebiete.

Die erfrischend kühlen und eindrucksvollen Morgenstunden sind noch nicht verblasst, als mich Peter zu seinem Lieblingswinzer entführt hat.
Image 3 "Den musst du probieren." meint er und ich soll jetzt schon, zehn Uhr morgens, den ersten Wein kosten? Der Rote rinnt die Kehle hinunter. Zu schade, um den kostbaren Tropfen wieder auszuspucken. Dann ein kühler Weißer, genau das Richtige. Allerdings ist bald zu spüren, dass der Geist des Weines zwischen Frühstück und Mittagessen meine Hirnwindungen heimsucht und für eine wenig schwerelose Stimmung sorgt. Aber es ist erst die erste Station unserer Tour durch die Weingüter von Margaret River ... und das sind über 80, die sich unter dem Label "Margaret River Wine Region" vermarkten.

Voyager Estate ist eines dieser Weingüter, ein paar Kilometer südlich von Margaret River gelegen. Hier ist alles XXL. Nicht nur die australische Flagge, die über seinen Weinfeldern weht und die zweitgrößte ihrer Art auf dem ganzen Kontinent ist. Auch das Anwesen mit den strahlend weiß getünchten Gebäuden kann getrost als - auf angenehme Weise - XXL-pompös bezeichnet werden.

Ungewöhnlich auch, dass jede Rebstockreihe von einem Rosenbusch bewacht wird. Nebenbei bemerkt verdienen nicht nur die Steaks des dem Weingut angeschlossenem Restaurants das Prädikat XXL, sondern auch der Besitzer von Voyage Estate, der sein Geld hauptsächlich in der Minenindustrie verdient - und angeblich nie Wein trinkt - unverständlich, denn das, was die Winzer hier aus ihren Fässern zaubern, ist einfach XXL.
Image 4 Die Winzer dieses vergleichsweise jungen Weinbaugebiets setzen auf Qualität statt auf Quantität. Hier reifen die Rebsorten Sauvignon Blanc, Semillon, Chardonnay, Cabernet, Shiraz und Merlot. Dabei ist die Weinbautradition in der Gegend um den Margaret River gerade mal ein halbes Jahrhundert alt. Damals zählte sie zu den ärmsten des Kontinents bis der Klimatologe John Glastone Margret River aufsuchte und befand, dass dort Weinanbau möglich sei. 1966 folgten Diana und Kevin Cullen seinem Rat und pflantzen ihre ersten Reben in der Gegend von Wilyabrup. Ihr Wein war so gut, dass nach und nach immer mehr Schaf- und Rinderweiden durch Weinfelder ersetzt wurden. Heute ist die Region geschätztes Ziel für Gäste aus nah und fern.

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