Madeira: Im ewigen Frühling

Der Frühling ist wahrscheinlich die schönste Jahreszeit für Golf: angenehm warm, aber nicht zu heiß. Madeira nennt sich zu recht „Insel des ewigen Frühlings“. Das ganze Jahr über schwankt die Tagestemperatur zwischen 16 und 25 Grad. Die herrliche Fauna der rund 600 km vor der Küste Nordafrikas gelegenen portugiesischen Atlantikinsel zeigt sich das ganze Jahr über in prächtiger Blüte. Kein Wunder, dass sich Madeira in den letzten Jahren zu einem beliebten Reiseziel für Golfer entwickelt hat. Denn Madeira und die kleinere Nachbarinsel Porto Santo verfügen mittlerweile über drei vorzügliche Plätze mit insgesamt 72 Löchern: Santo da Serra (27 Löcher), Palheiro (18) und Porto Santo (18 + 9 Löcher Pitch and Putt).
Aber es ist nicht nur Golf, dass Touristen mit ihren Hölzern und Eisen nach Madeira zieht, es sind auch die für die Insel typischen Unterkünfte, die sogenannten Quintas. Darunter versteht man alte Herrenhäuser, die im 18., 19. und 20. Jahrhundert den Reichen der Insel als Wochenend- oder Ferienhäuser dienten. Viele dieser prächtigen alten Quintas sind in den letzten Jahren zu kleinen, aber feinen Unterkünften ausgebaut worden. Oft findet man in den ehemaligen Herrenhäusern ein paar Zimmer oder Suiten, manchmal dienen sie als Feinschmeckerlokal bzw. als Rezeption oder Lobby.
Rund um den alten Kern wurden immer im Stil der klassischen Insel-Architektur weitere Flügel angebaut. Da alle der derzeit sechzehn Quintas, der im Verbund der „Quintas da Madeira“ zusammengeschlossenen Vier- und Fünf-Sterne-Häuser nur über eine überschaubare Anzahl von Zimmer verfügen, unterscheiden sie sich in ihrem Ambiente, ihrer Architektur und den liebevoll eingerichteten Zimmern sowie der persönlichen Betreuung von den modernen Bettenburgen und Hotelketten. Und natürlich haben die Quintas da Madeira ein Herz für Golfer. Fast alle bieten Pauschalangebote an.

Der bekannteste der beiden Plätze der nur 59 km langen und 17 km breiten Insel Madeira ist natürlich Santo da Serra, der 1991 von dem Nestor der modernen Golf-Architektur Robert Trent Jones sen. entworfen wurde. Der mittlerweile verstorbene Altmeister erweiterte die Anlage 1998 um die 9 Löcher von Serra. Seit 1993 machte auf diesem Platz die europäische Tour mit der „Madeira Open“ Station, ein Turnier, das in diesem Jahr vom 23. bis 26. März ausgetragen wird. Der Platz ist für moderne Verhältnisse nicht lang: nur 6092 Meter von den Championship-Abschlägen. Trotzdem haben sich hier Stars wie Severiano Ballesteros, Lee Westwood, Retief Goosen, Paul Lawrie, Sam Torrance, Constantino Rocca und Alex Cejka an diesem hügeligen Platz die Zähne ausgebissen. Keiner dieser großen Namen konnte das Turnier gewinnen.

Im letzten Jahr siegte der Niederländer Jan-Robert Derksen mit einem Score von 13 unter Par. Im Turnier wird immer die Kombination Machico-Desertas gespielt – zweimal 9 Löcher bei denen einem ob der herrlichen Ausblicke, der spielerischen und strategischen Herausforderung der Atem stockt. Das fängt schon am ersten Abschlag an: Man steht hoch oben, schaut über die Bucht von Machico und die unbewohnte Inselgruppe der Desertas, ein Naturpark. Ein satt getroffener Drive auf das tiefer gelegene Fairway scheint ewig durch die Luft zu fliegen. Der Platz ist von den Championship-Tees nicht leicht und verlangt lange Carries über Schluchten.

Als Signature Hole gilt das 4. Loch, ein Par 3 von 179 m von hinten (159 m für Herren, 152 und 147 m für Damen), bei dem es gilt, ein schmales, quer zur Spielrichtung liegendes Grün hinter einer Schlucht zu treffen. Auch wer zu lang ist, kann sich von seinem Ball verabschieden, denn hinter dem Grün geht es steil abwärts. Aber wer hier mit einem Par das Grün verlässt, kann die atemberaubende Aussicht wirklich genießen.
Wer sich das Leben in Santo da Serra etwas einfacher machen will, weicht auf die reizvollen 9 Löcher von Serra aus. Hier muss man zwar auf die herrlichen Aussichten verzichten, aber dafür spielt man auf historischem Golfgelände. Denn hier begann 1933 die Golfgeschichte Madeiras. Die ursprünglichen neun Par-3-Löcher wurden 1935 zum Favellas-Platz ausgebaut, vier Par-3-, drei Par-4- und zwei Par-5-Löcher von insgesamt 2396 m Länge, ehe Trent Jones Sr. 1998 das Gelände komplett neu gestaltete. Die heutige Quinta da Serra, eines der Häuser der „Quintas da Madeira“ diente in den vierziger Jahren als Clubhaus.
Auch der zweite Platz von Madeira beeindruckt mit seiner herrlichen Lage. Hoch über der Hauptstadt Funchal und der Bucht liegt Palheiro inmitten eines riesigen Landguts. Der Platz wurde 1993 von dem Amerikaner Cabell Robinson entworfen. Enge Fairways und zum Teil erhebliche Höhenunterschiede verlangen Präzision und die richtige Schlägerwahl. Aber selbst wer hier den einen oder anderen Ball verliert, wird diesen 6096 Meter langen Platz lieben: so reizvoll und abwechslungsreich sind die Löcher, so herrlich die Aussicht.

Fast mitten im Platz liegt ein weiteres Haus der Quintas da Madeira: Casa Velha de Palheiro. Die Gäste des Hauses dürfen ihre Runde direkt vor dem Hotelgarten am 10. Loch beginnen, können sich aber auch mit einem Pendelbus zum Clubhaus fahren lassen.

Auch alle anderen „Quintas da Madeira“ bieten einen Shuttle-Service zu den Plätzen an, die von den meisten Häusern nicht mehr als zwanzig Minuten entfernt sind. Trotzdem sollte man mit einem Mietwagen die 600 qkm große Insel erkunden, deren Gipfel im Landesinneren bis über 1800 Meter in die Höhe ragen. Auf jeden Fall empfehlenswert ist auch ein Abstecher auf die „goldene Insel“ Porto Santo, die mit ihrem 9 km langen Sandstrand jahrelang Christopher Columbus beheimatete. Für Golfer ist der Hauptanziehungspunkt natürlich der von Severiano Ballesteros entworfene, am 1. November 2004 eröffnete Golfplatz. Die ersten neun Löcher sind gut, aber richtig spektakulär sind die zweiten neun Bahnen, von denen einige direkt an der Steilküste entlang laufen. Und spätestens hier kommt man ins Grübeln: Wo in aller Welt sind die Golf-Aussichten auf Madeira am schönsten: in Santo da Serra, in Palheira oder auf Porto Santo.
(Autor: Helma Scheffler)
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